„Kastastrophales Versagen“

14.11.2017

Mahnfest der Sylt-Pendler

Foto: Eggers

Niebüll (ge) - Es gibt sicherlich keinen, der sich noch nie über Verspätungen bei der Deutschen Bahn geärgert hat. Wenn man aber als Berufspendler darauf angewiesen ist, morgens pünktlich bei der Arbeit auf der Insel Sylt zu sein und dann fast täglich Verspätungen erlebt – dann ist das nicht nur ärgerlich, sondern auf Dauer unerträglich und unzumutbar.

Am Freitagabend kamen etwa 300 Bahn-Pendler in Niebüll zu einem Mahnfest zusammen, um ihren Forderungen gegenüber Land und Bahn Nachdruck zu verschaffen. Trotz des unerfreulichen Anlasses war dort dennoch auch Raum für gute Stimmung als die Band „Wacken Pack“ spielte (u.a. einen Pendler-Song, der die aktuelle Lage beschreibt). Sylt-Pendlerin Martina Schulz hat von den Zuständen des derzeitigen Pendlerverkehrs viel zu berichten: „In den letzten 10 Tagen gab es nur einen einzigen Tag mit nur einer Verspätung.“ Sie fordert weitere Entschädigungen für Pendler, die unzählige Stunden mit Warten und Fahrzeitverlängerungen verloren hätten und die immerhin 200 Euro für die Monatskarte zahlten. Da sich die Pendler die Züge mit den Touristen teilen, sind diese so voll, dass viele während der Fahrt stehen müssen und außerdem sei die mangelnde Sauberkeit in den Zügen kritikwürdig.

Viele Pendler brechen vorsorglich eine Stunde früher als üblich in Südtondern auf, um pünktlich morgens bei der Arbeit sein zu können. Die derzeitigen Fahrpläne seien auch unzureichend. Es kommt vor, dass zwei Stunden kein Zug fährt, und im Fernverkehr werden einzelne Bahnhöfe wie Morsum nicht angefahren. „Das Land muss verstehen, dass Sylt mittlerweile eine Ganzjahresinsel ist“, sagt Schulz in Anbetracht der hohen Beförderungzahlen. Achim Bonnichsen, Sprecher der Pendlerinitiative, erinnerte an das „absolute Chaos“, als alle 90 Marschbahnen ausgefallen sind.

Landrat Dieter Harrsen war vor Ort, um Solidarität mit den Pendlern zu bekunden. „Die Landesebene hat zu lange gezögert“, kritisiert er. Alle Parteien – die vorherige wie auch die aktuelle Koalition – hätten katastrophal versagt. „Das muss Konsequenzen haben“, bekräftigte Harrsen. Als Achim Bonnichsen die Versprechung des Wirtschaftsministers Bernd Buchholz zitierte, dass ab diesem Montag wieder alle Marschbahnen in Betrieb seien, erschallte lautes Gelächter. Die aufgebrachten Pendler glauben dies nicht - und sie haben Recht behalten. Wieder standen am Montag nicht alle Wagen zur Verfügung und es kam zu schwerwiegenden Verspätungen. Minister Buchholz sagte, er sei darüber genauso wütend wie die betroffenen Pendler. Verantwortlich sei die Industrie, die nicht dazu in der Lage dazu sei, Wartung, Instandhaltung und Lieferung pünktlich sicherzustellen.

Schon entdeckt? Das Öde-Archiv