Berge statt Ostsee

15.03.2017

Alleine über die Alpen

Über Stock und Stein: Meike Moshammer am Mädeljoch. Fotos: Privat

Und bei Schnee nach dem Rettenbachjoch.

Am Ziel: Meike Moshammer in Verona. Fotos: Privat

Flensburg (lip) – Berge statt Ostsee: Als Meike Moshammer vor 10 Jahren „der Liebe wegen“ von Flensburg nach Sulzbach in den Taunus zog, konnte sie ihre Leidenschaft für das Wandern so richtig ausleben. Seither ist die gelernte Bankkauffrau, die heute in der Immobilienbranche tätig ist, regelmäßig in den Mittelgebirgen und in den Alpen mit dem Rucksack unterwegs „Vorher waren die Berge höchstens zweimal im Jahr ein
Urlaubsziel“, erzählt die gebürtige Flensburgerin, die – wie sollte es anders sein – auch ihren Mann beim Wandern kennengelernt hat. Dass sie sich bei der Erfüllung ihre großen Traumes – einmal auf dem europäischen Fernwanderweg E5 die Alpen komplett zu überqueren – ganz alleine auf die Socken machte, war aber eher aus der Not heraus geboren.  „Mein Mann hatte leider keine Zeit und andere auch nicht“, erzählt die zertifizierte Wanderführerin. Und so startete sie im Jahr 2013 von Konstanz am Bodensee aus ins große Abenteuer. Extrem schlechte Wetterbedingungen auf der ersten Etappe bis nach Oberstdorf sorgten dafür, dass das Wandern eigentlich alles andere als ein Vergnügen war. Doch Meike Moshammer genoss es trotzdem in vollen Zügen. „Es ist eine ganz andere Art zu wandern, wenn man mit sich allein ist“, erzählt die 45-Jährige und so beschloss sie nach dieser einen Woche weiterzumachen. Aus beruflichen Gründen konnte sie die Mammut-Wanderung aber nicht in einen Stück bewältigen. Und so war sie im nächsten Jahr wieder auf dem E5 unterwegs, diesmal von Oberstdorf nach Zwieselstein, ein Jahr später dann von Zwieselstein nach Bozen und im vergangenen Jahr schließlich auf dem letzten Abschnitt von Bozen nach Verona. „Der erste Blick in die Ebene von Verona wird mir unvergesslich bleiben. Das Gefühl, hier etwas Großes geschafft zu haben, wird wohl nur jemand nachempfinden können, der etwas ähnliches bereits einmal gemacht und erlebt hat“, beschreibt Meike Moshammer den Moment, als sie die rund 600 Kilometer durch vier Länder (Deutschland, Schweiz, Österreich und Italien) und etwa 22.000 Höhenmeter schließlich hinter sich gebracht hatte. Unterwegs hatte sie Hitze, Kälte, Dauerregen, Schnee und dichtem Nebel getrotzt, war durch grandiose Bergpanoramen und über liebliche Almen geklettert.  „Die Anstrengung gehörte einfach dazu und sorgte dafür, dass ich mich wirklich jedes Mal am Abend auf so einfache Dinge wie eine Dusche, ein leckeres Essen,  einen Rotwein und ein Bett gefreut habe“, so die Extremwanderin, die
unterwegs auch manch heikle Situation zu überstehen hatte. Auf dem Weg zum höchsten Punkt, dem Rettenbachjoch, hatte es zwei Tage vorher bis unter 1.000 Meter kräftig geschneit – und das mitten im Juli. Da war mir schon etwas mulmig“, erzählt Moshammer.  Das „Salz in der Suppe“ waren für sie jedoch die Begegnungen mit den Menschen, die sie unterwegs getroffene hat: Einheimische, Gastgeber in den Hütten und Hotels und Mitwanderer wie die zwei „Nordlichter“ aus Pinneberg. Was für ein Zufall, dass sie das Brüderpaar ausgerechnet auf der letzten Etappe  nach Verona vier Tage hintereinander jeden Abend in der Unterkunft wieder traf. 
Über ihre vielen Erlebnisse unterwegs hat Meike Moshammer Tagebuch geführt – auch aus rein praktischen Gründen. „Dann brauchte ich hinterher nicht alles mehrfach zu erzählen“. Ihre Schwester hatte schließlich die Idee das Ganze an einen Verlag zu schicken –  und nun kann jeder Leser ihres Buches mit Meike Moshammer auf Wanderreise gehen.

Schon entdeckt? Das Öde-Archiv