Friesische Band "Kalüün" erhält große Auszeichnung

04.10.2018

Konzert am 13. Oktober im Andersen-Hüs

Foto: Privat

Risum-Lindholm (mm) - Damit hatten die Musiker der friesischen Band "KALÜÜN" wohl kaum gerechnet: Ihr im März 2014 auf Föhr veröffentlichtes Debüt-Album Spöören (deutsch: ‘Spuren’) wird im August mit dem begehrtesten Preis der deutschen Folkszene (PdSK) ausgezeichnet, dem Preis der deutschen Schallplattenkritik. Der Preis wird durch einen unabhängigen Zusammenschluss von derzeit 145 Musikkritikern und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vierteljährlich in den sog. Bestenlisten vergeben, darin enthalten die besten und interessantesten Neuver-öffentlichungen der vorangegangenen drei Monate. Bewertungskriterien sind u.a. künstlerische Qualität, Repertoirewert, Präsentation und Klangqualität.

Ein aktuelles Konzert mit "Kalüün" findet unter anderem am Sonnabend,13. Oktober um 20 Uhr im Andersen-Hüs statt. Einlass 19.00 Uhr.

Organisiert in 29 Fachjurys, prüfen die Juroren quartalsweise das Angebot neuer Tonträger in 29 Sparten, von der Symphonik über die Oper bis hin zum Hörbuch, vom Kabarett über Popmusik bis hin zum Jazz. "KALÜÜN" hat sich mit "Spöören" in der Kategorie Lieder & Songs klar durchgesetzt – u.a. gegen bekannte Größen wie z.B. den Liedermacher Rainald Grebe mit der CD Berliner Republik oder den Sänger und Texter Felix Meyer mit der CD Menschen des 21. Jahrhunderts. Dass sich hier eine nordfriesische Band mit einer friesischsprachigen CD behauptet, kann als Sensation für die ge-samte deutsche Folkszene bezeichnet werden.

„Wir sind völlig von der Rolle“, berichten Keike und Jan Faltings sowie Dennis Werner von "KALÜÜN". „Eigentlich wollten wir nur mal etwas Neues machen. Wir haben anscheinend den passenden Zeitpunkt für unser Album erwischt. Die Leute haben spürbar Lust auf mehr Folk – Lust auf das Außergewöhnliche und Lust auf authentische Typen. Und auf einmal erfahren wir“, so die drei Musiker weiter, „dass Spöören z.B. im belgischen Rundfunk, Deutschlandradio, WDR etc. läuft, und das ist für eine friesische CD in der Tat schon ziemlich außergewöhnlich!“

Ihr Song Fering Hüs nach der Melodie von Cedars of Lebanon des renommierten irisch-amerikanischen Folkmusikers und Songschreibers Thom Moore ist aktuell in der sogenannten Liederbestenliste (www.liederbestenliste.de) von ursprünglich Platz 18 auf 4 gestiegen. Auch wenn diese Liste schwerpunktmäßig deutschsprachige Titel und Alben berücksichtigt, so werden doch auch in Deutschland veröffentlichte Tonträger unabhängig der Sprache bewertet.
Im Herbst 2012 formierte sich die friesische Folkgruppe "KALÜÜN" (deutsch: ‘Kraft, Energie’), in Nachfolge der Vorgängerband "BALLYNACALLY", mit der sie eine mehr als zehnjährige Leidenschaft zum irischen Folk, aber auch zu amerikanische Stilrichtungen und zur traditionellen Mu-sik Skandinaviens verbindet. Auf ihrer Reise durch die verschiedenen Stile des amerikanischen und europäischen Folks ist mit der Zeit nicht nur der charakteristische Sound der Gruppe gereift, sondern zunehmend auch das Bedürfnis gewachsen, den eigenen friesischen Wurzeln nachzuspüren.

"KALÜÜN" setzt damit eine ganz eigentümliche Musiktradition der nordfriesischen Inseln fort, die einst neben regionalen Besonderheiten der schleswigschen und jütischen Spillemandsmusik deutliche Einflüsse internationaler Seemannslieder, Shanties und Tanzmelodien zeigte, wie sie mit den friesischen Seefahrern aus den europäischen Hafenkneipen auf die Inseln und Halligen gelangt waren. Diese besondere Musikkultur kam im Zuge des nationalen Umbruchs nach 1864 schnell zum Erliegen und war schon um 1900 nur noch in Relikten vorhanden. Mit ihrem Album Spöören begibt sich KALÜÜN nun auf die verwehten Spuren der alten, fast vergessenen Bal-laden und Tanzstücke der Insel Föhr, ergänzt durch eine Reihe eigener Kompositionen und Texte, und demonstriert darin auf überzeugende Weise, dass man traditionellen Folk mit nuan-ciertem Sprachgefühl und feinen Arrangements auch nach dem Musikgeschmack von heute anspruchsvoll und modern interpretieren kann. Das Ergebnis dieses kreativen Prozesses hält der Hörer als eine Art Schatzkarte in seinen Händen. Wer ihren Hinweisen folgt, findet alte wie neue Juwelen, die von einem Leben auf der Insel und zur See, von Sehnsucht, Liebe und Le-bensfreude, aber auch von der Würde und der besonderen Wesensart der Inselnordfriesen er-zählen.

Die elf Titel des Albums – davon 4 Instrumentalstücke – sind im Frühjahr und Sommer 2013 mit Unterstützung der drei befreundeten Gastmusiker Ole Carstensen, Michael Lempelius und Dirk Werner im Hookwerk Studio in Wyk auf Föhr eingespielt worden. Die Aufnahmeleitung und das spätere Mastering der einzelnen Titel lag in Händen des renommierten Hamburger Tonmeisters Manfred Faust (A-ha, Tokio Hotel, Lindenberg, Stanfour etc.). Design und Gestal-tung der CD-Hülle und des darin befindlichen kleinen Begleitheftes sind von der Gruppe selbst konzipiert und gelayoutet worden. Zum besseren Verständnis erscheinen die im Booklet abge-druckten friesischen Liedtexte in einer deutschen Parallelübersetzung, während entsprechende englische und dänische Übertragungen auf der Website www.kaluun.de abrufbar sind. Die Veröffentlichung des Albums konnte nur dank großzügiger Spenden seitens des Friesenrats – gefördert aus öffentlichen Mitteln des Landes Schleswig-Holstein – sowie verschiedener Föhrer Einrichtungen und Firmen ermöglicht werden. Die Initiative zu dieser CD ging von der Ferring Stiftung in Alkersum auf Föhr aus, die als Träger des Projekts seine Durchführung auch federführend begleitet hat.

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