Schleswigs „Sorgenkind“

15.11.2017

Große Ladenflächen im Schleicenter stehen leer

Viele der großen Ladenflächen im Schleicenter stehen leer. Foto: Agentur Schleswig

Schleswig (as) – Der Hubschrauber dreht über der Innenstadt seine Kreise, bis er auf dem Parkdeck des Schleicenters landet, um neue Passagiere für einen Rundflug aufzunehmen. Das war im Oktober 2002, als die AVW Immobilien AG, Hamburg, die das Schleicenter entwickelte, baute und bis heute verwaltet, den ersten Geburtstag ihres jungen Einkaufszentrums feierte. Für etwa 30 Millionen Euro gebaut und nach elf Monaten Bauzeit im Oktober 2001 eröffnet, sollte das Schleicenter mit einem interessanten Branchenmix zur deutlichen Belebung der Innenstadt beitragen. Aber es kam anders, als geplant. Im März 2010 verließ Marktkauf das Schleicenter, ID Sievers (Intersport), LAN tours, von Allwörden, Rossmann folgten im Laufe der letzten Jahre. Die Schließung der Strauss-Filiale im Januar 2017 sowie der bevorstehende Auszug des Modegeschäftes Vögele nächsten Monat, besiegeln einen traurigen Tiefpunkt in der Geschichte des Schleicenters. AVW-Unternehmenssprecher Dirsko v. Pfeil sieht keinen Grund zur Sorge: „Der Mieter Vögele wird mit dem Auslaufen des Mietvertrags das Objekt in Schleswig verlassen. Da wir in engem Kontakt mit den Mietern stehen, ist diese Entwicklung für uns nicht überraschend. Stattdessen haben wir diese Fläche bereits frühzeitig in unsere grundsätzlichen Überlegungen auf dem Weg der vollumfänglichen Revitalisierung und Restrukturierung des Objekts einbezogen. Wir beschäftigen uns momentan intensiv mit der Umsetzung dieser Pläne, um „am Ende des Tages“ das Schlei-Center vollvermietet mit einem stimmigen Branchenmix zu versehen, der sowohl für den Eigentümer als auch für den Besucher/ Kunden den größten Nutzen bietet.“
Ähnliche Aussagen tätigte die AVW Immobilien AG bereits nach der Marktkauf-Schließung 2010, in den letzten Jahren sprach die AVW immer wieder von „Revitalisierung und Neuvermietung“. Konkrete Maßnahmen nennt Dirsko v. Pfeil nicht, die Pläne der AVW AG bleiben nebulös und nicht greifbar.
Diese Entwicklung war absehbar: Die Schließung der Kaserne und der damit verbundene Abzug der Soldaten und ihrer Familien, die Schließung der Zuckerfabrik und anderer Unternehmen sowie der immer stärker gewordene Online-Handel sind für alle Einzelhändler der Stadt eine Herausforderung. Die Lokalpolitik hat es versäumt, rechtzeitig vor Schließung der Kaserne Unternehmen anzusiedeln und Ersatzarbeitsplätze zu schaffen.
Positiv ist die Eröffnung des Media Marktes im November 2011 und der Einzug eines Naturmarktes in die Räume des ehemaligen Getränkemarktes an der Königstraße. Dennoch bleiben große Ladenflächen im Schleicenter unvermietet. „Es ist schon sehr schade, dass wieder ein größeres Geschäft schließt, aber das bietet jetzt auch die Gelegenheit die Flächen so zu gestalten, dass sie für potentielle Mieter attraktiv werden“, meint Rüdiger Knospe vom Stadtmarketing.
Vielleicht bekommt das Schleicenter eines Tages einen neuen Eigentümer. In diesem Jahr veräußerte die AVW AG andere Einkaufscenter, darunter das „sich in der Revitalisierung befindliche“ Fachmarktzentrum in Bad Oldesloe. „Für das Schleicenter gibt es zum heutigen Zeitpunkt keine entsprechenden Überlegungen“, teilte Dirsko v. Pfeil mit.

Schon entdeckt? Das Öde-Archiv