Die Jahre 1930 bis 1970:

14.11.2017

Diako Flensburg veröffentlicht ihre Geschichte

Präsentierten den zweiten Teil der Diako-Geschichte: (v.l.) Rektor Wolfgang Boten, Dr. Ulrike Winkler, Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl und Altrektor Frank Schlicht. Foto: Privat

Flensburg (mm) -  Die Diako Flensburg präsentierte am 13. November im Fliednersaal vor gut 70 Interessierten den jetzt erschienenen zweiten Teil ihrer Unternehmenschronik. Unter dem Titel „Gezeitenwechsel – Die Evangelisch-Lutherische Diakonissenanstalt zu Flensburg von 1930 bis 1970“ arbeiteten Ulrike Winkler und Hans-Walter Schmuhl die Zeit des Nationalsozialismus und die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik auf.

Die Historikerin Dr. Ulrike Winkler aus Trier und ihr Kollege Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl von der Uni Bielefeld hatten von der Diako den Auftrag zur wissenschaftlichen Untersuchung des Zeitraumes erhalten. Die Initiative hierzu kam von Pastor Frank Schlicht, Altrektor der Diako, und Pastor Wolfgang Boten, dem jetzigen Rektor. „Ohne Erinnerung werden das Verstehen der Gegenwart und die Weichenstellungen für die Zukunft schwierig“, so Pastor Frank Schlicht. „Wir wollten keine Festschrift, sondern eine sachliche, angemessene Beurteilung, die Legendenbildungen entgegenwirkt.“

Im Sommer 2016 begannen die Historiker ihre Recherchen. Die Arbeit führte sie vor allem ins Archiv der Diako, aber auch in das der Dänischen Zentralbibliothek und ins Landesarchiv. Aus Akten und Briefen rekonstruierten sie, wie die Diako die Herrschaft der Nationalsozialisten und die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik durchlebte. Dabei betrachteten sie das Handeln der Diakonissenanstalt und der ihr zugehörigen Einrichtungen aus kirchenpolitischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht.
Wie durchlebte die Diako die Herrschaft der Nationalsozialisten und die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik? Einerseits handelten es die Diakonissen-Mutterhäuser in Deutschland aus, dass ihre Diakonissen nicht persönlich in die gleichgeschaltete „Reichsfachschaft deutscher Schwestern und Pflegerinnen“ eintreten mussten, und der damalige Rektor Adolf Thomsen unterstützte die Bekennende Kirche. Eine lautstarke Opposition gegen Anordnungen und Repressalien gab es andererseits nicht, man versuchte eher, sich still der staatlichen Einflussnahme zu entziehen. Das NS-Regime duldete die für die medizinische Versorgung in Flensburg unverzichtbaren christlichen Krankenhäuser, das Wirtschaften war indes schwierig. Zwar überstanden das Krankenhaus und die übrigen zur Diakonissenanstalt gehörenden sozialen Einrichtungen den Krieg größtenteils unbeschadet, doch es folgten in der Nachkriegszeit Jahre mit klammen Finanzen, da die Pflegesätze in der jungen Bundesrepublik niedrig waren. Erst ab den 60er Jahren konnte man an einen Ausbau des Krankenhauses denken.

Die Diako-Chroniken erscheinen in der „Großen Schriftenreihe“ der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte. Mit dem zweiten Teil der Chronik knüpften die Diako und die Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte an eine Zusammenarbeit an, die 1992 den ersten Teil hervorbrachte: Vor 25 Jahren verfasste Dr. Harald Jenner den ersten Teil der Diako-Geschichte von der Gründung bis in die 1930er Jahre. 

Ulrike Winkler, Hans-Walter Schmuhl: Gezeitenwechsel – Die Evangelisch-Lutherische Diakonissenanstalt zu Flensburg von 1930 bis 1970. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2017. 256 Seiten, 27,50 €. ISBN 978-3-925856-80-8


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