Sprengungen der Bundesmarine in der Ostsee

08.01.2018

Gefahr für Meeressäugetiere und größte Uferschwalbenkolonie

Foto: ots/Presse- und Informationszentrum Marine

Neumünster/Damp/Kappeln (mm) - Derzeit wird die ausgemusterte Fregatte „Karlsruhe“ der Bundesmarine mit umfangreicher Sensorik bestückt, um ab Frühjahr 2018 in sogenannten Ansprengversuchen und mit einem Beschuss aus der Luft in der Ostsee im Marine-Sperrgebiet Schönhagen zwischen Damp und Port Olpenitz ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Minen und Bomben zu untersuchen. Der NABU befürchtet erhebliche Schäden an der Meeresumwelt und einer der bedeutendsten Uferschwalbenkolonien des Landes Schleswig-Holstein.
In einer Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Cornelia Möhring der Bundestagsfraktion DIE LINKE zu den Ansprengversuchen wird deutlich, dass die Bundeswehr die möglichen Umweltfolgen der Detonationen unterschätzt:
Das Verteidigungsministerium räumt dabei ein, dass im Sperrgebiet Schönhagen das schleswig-holsteinische Umweltministerium (MELUND) für die Überwachung von Naturschutzbelangen zwar zuständig, aber nicht in die Planung einbezogen worden sei. Für den Schweinswal in der westlichen Ostsee wird als „störungssensible Zeit“ der Zeitraum 1. Juni bis 30. September angegeben, die geplante Ansprengphase (2. Quartal und Spätsommer) geht jedoch über diesen Zeitraum hinaus. Der NABU befürchtet dabei massive Störungen, Hörschäden und nicht zuletzt auch tödliche Verletzungen bei den streng geschützten und bedrohten Schweinswalen. Eine von einer Unterwasserdetonation von 4,5 Tonnen Sprengstoff ausgehende Schockwelle kann einen Schweinswal in einer Entfernung von 7 Kilometern noch schwer verletzen oder töten. Derartig große Sprengladungen kamen bei früheren Ansprengversuchen ähnlich großer Schiffe von NATO Partnern zum Einsatz. Die konkreten Angaben zur Zahl und Ladungsgröße der Ansprengungen unterliegen der Geheimhaltung. Der NABU geht jedoch davon aus, dass etwa zwanzig Sprengungen durchgeführt werden, deren Ladungsgröße schrittweise auf mehrere Tonnen TNT-Äquivalent gesteigert wird, um vorab zur Simulation durchgeführte Berechnungen der Bundeswehr zu validieren.
Der NABU fordert die Bundeswehr eindringlich auf, alle zur Verfügung stehenden technischen Maßnahmen zu ergreifen, das Verletzungsrisiko für Deutschlands einzigen heimischen Wal zu minimieren. Mit einem Blasenschleier, der den Sektor zum Schiff hin ausspart, könnte jedoch der Gefährdungsbereich für unter Wasser lebende und tauchende Wirbeltiere wie Fische, Seevögel, Robben und Schweinswale um über Dreiviertel verkleinert werden. Die Bundeswehr war selbst an Untersuchungen zur Entwicklung eines entsprechenden Blasenschleiersystems beteiligt, das bereits jetzt erfolgreich bei der Beseitigung von Weltkriegsmunition eingesetzt wird und Stand der Technik zur Reduktion von Schockwellen ist.
Für den Schutz einer mit ca. 2.000 Brutröhren bedeutendsten Uferschwalbenkolonie, die in der Steilküste von Schönhagen brüten, sind dagegen andere Minderungsmaßnahmen nötig, da jede Sprengung eine seismische Schockwelle erzeugt, die sich fast unvermindert durch den Boden fortpflanzt. Jungvögel können so in den Brutröhren in der Steilküste verschüttet werden. Die Uferschwalbenkolonie Schönhagen umfasst ca. 14 % des gesamten Brutbestandes in den Steilküsten des Landes.
Daneben sind die östlich des Sperrgebietes befindlichen Teile der Laichgebiete des frühjahrslaichenden westlichen Ostseedorsches, zu dessen Schutz die Fangquoten für Fischer wie Angler erheblich reduziert wurden, ebenfalls gefährdet. Die Laichzeit überlappt hier ebenfalls mit den geplanten Ansprengungen. Geschlechtsreife Dorsche halten sich vor allem von Ende Februar bis Ende Mai im Gebiet auf, Fischlarven und Jungfische leben hier noch in Zeiträumen weit darüber hinaus.
Aufforderung zum Dialog
Der NABU fordert das Verteidigungsministerium und das für die Umweltbegutachtung zuständige Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) auf, umgehend einen Dialogprozess unter Einbeziehung von Experten des NABU, MELUND, Deutschen Meeresmuseums und der Tierärztlichen Hochschule Hannover zu initiieren, damit die bestmöglichen Minderungsmaßnahmen zum Einsatz kommen und Schäden von der Umwelt abgewendet werden.
Der Schadstoffeintrag durch die Munition wird von der Bundeswehr überhaupt nicht betrachtet. Angesichts der Tatsache, dass Miesmuscheln sprengstofftypische Verbindungen anreichern, ist dieser Aspekt nach Auffassung des NABU umweltrelevant und müsste untersucht werden. Zumindest ein geeignetes Begleitmonitoring ist sicherzustellen.
Quellen (auf der Internetseite www.NABU-SH.de)

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